Kata Chinte (珍手)

Eine Kata, die doch etwas außergewöhnlich ist, kommt früher oder später bei jedem Karate-Ka vorbei. Oftmals beginnt man diese Kata erst mit dem 1. oder 2. Dan zu üben, da es vorallem im Shotokan Stil noch viele weitere Katas gibt, die mehr den Mainstream bedienen.

Chinte (珍手) bedeutet soviel wie die „seltene“ oder „seltame“ Hand. Spätestens beim Üben der Techniken erinnert man sich an die Übersetzung, da es doch einige Techniken gibt, die man so noch nicht gesehen hat. Aber genau das macht ja den Reiz der Kata aus!

Ich trainiere diese Kata nun schon einige Jahre und vorallem das Ende der Kata hat mich vor Fragen gestellt. Natürlich kann man sich für die 3 Sprünge am Ende noch eine Bunkai überlegen (Gegners Kopf hat man in der vorherigen Technik bereits in den Händen, nun zieht man ihn nach hinten und springt dabei um den Hals zu brechen) – trotzdem ist es, sagen wir mal, eine ungwöhnliche Technik, die da am Ende der Kata steht.

Schauen wir uns doch erstmal die ursprüngliche Shotokan Form an, damit klar wird, was ich meine (nicht alle kennen die Kata, vermutlich):

Natürlich hat sie sich in den Jahren verändert, was man in diesem Video eines Wettkampfs sehr gut sieht:

Egal ob es sich nun um ältere oder neuere Aufzeichnung handelt, sind diese Sprünge fester Bestandteil.

Nun habe ich aber ein wenig weiter geforscht und bin auf eine interessante Theorie gestoßen, die meiner Meinung nach Sinn macht.

Demnach war die ursprüngliche Form der Kata (China) und später Shito-Ryu ohne diese Sprünge am Ende der Kata. Die „Japanese Karate Association“ (JKA) hat sie hinzugefügt, da die Kata durch die vorherigen Änderungen von Funakoshi Gichin nicht mehr dort endete wo sie startete (Embusen). Um die Kata dann Regel- und Wettkampf konform zu machen, hat man diese Sprünge eingebaut, damit man am Ende der Kata wieder am selben Punkt wie zu Beginn steht (so ist es auch bei allen anderen Shotokan Katas, wenn man sie richtig macht :-))

Ehrlich gesagt, macht diese Erklärung Sinn für mich und hilft mir zu verstehen, wie es zu diesen Techniken kam.

Als Abschluß noch ein schönes Video der Chinte aus dem Shitu-Ryu, dort sieht man ganz deutlich, dass die Kata einige Techniken weniger hat und auch ohne das Hüpfen am Ende auskommt. Viel Spass beim Forschen.

Nachtrag: Beim weiteren Forschen ist mir aufgefallen, dass die „Kiai“ Techniken auch immer wieder unterschiedlich sind. In Deutschland sind sie bei der „Empi“ und der „Hazami Tsuki“ Technik – Keine Ahnung ob das von Fiore Tartaglia und seinen Büchern kommt, in der Buchreihe von Nakayama (immer noch meine Referenz) sind die beiden Kiai’s ein wenig anders. Der erste Kiai ist beim „Empi“, der zweite Kiai ist aber erst bei der letzten Technik vor den Sprüngen nach hinten (Migi chudan tate tsuki).

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